
Wer ich bin
Diese Frage lässt sich für mich lange Zeit schwer beantworten.
Vielleicht auch, weil ich sie lange nicht beantworten wollte.
Wer ich bin, zeigt sich für mich weniger in Zuschreibungen oder Rollen, sondern im Gehen.
In der Art, wie ich meinen Körper bewohne.
In den Entscheidungen, die ich treffe – und in denen, die ich bewusst lasse.
Herkunft und Bewegung
Geboren wurde ich in Asien, in Persien.
Umgeben von hohen Bergen im Norden, das Meer nah.
Berge und Wasser geben mir bis heute Stabilität, Weite und Seelenfrieden.
Ich liebe Pistazien, ich liebe Safran, ich liebe Gastlichkeit.
All das ist Teil meines persischen Erbes, ohne dass ich damit konkret aufgewachsen bin.
Sehr jung kam ich nach Deutschland, an den Niederrhein.
Viele Umzüge prägten meine Kindheit, später mein Jugend- und Erwachsenenleben.
Bayern wurde viele Jahre später ein weiterer Wendepunkt.
Hier fühlte ich mich freier, klarer, lebendiger.
Mein Kontakt zu mir selbst wuchs.
Ich folgte meiner Liebe zum Tanz, zur Bewegung, zum Wasser.
Seen begleiteten mich an vielen Lebensorten.
Erstaunlicherweise bin ich in Bayern bis heute genauso oft umgezogen, wie ich es von meinem ersten Umzug als Säugling nach Deutschland bis hin zu meinem letzten Umzug innerhalb von Köln war.
Frühe Prägung, Überleben, Macht und Bewusstsein
Als Kind lernte ich sehr früh, wach zu sein.
Zu wach vielleicht.
Mir wurde gesagt, ich hätte als Baby nie geweint.
Ich habe als kleines Kind gestrahlt – insbesondere alle anderen angestrahlt.
Dieses Strahlen, vor allem diese andere anstrahlen, war unwillkommen. Es wurde als Bedrohung empfunden und löste Gewalt aus.
Ich wuchs in einem Umfeld auf, in dem Macht keinen Halt durch Bewusstsein hatte.
Gewalt und Missbrauch entstehen genau dort:
wenn Macht sich von Wahrnehmung, Verantwortung und Mitgefühl löst.
Missbrauch hat viele Gesichter.
Nicht alle sind laut.
Manche sind leise, alltäglich, subtil.
Ich wurde gut im Überleben.
Anpassen. Verhandeln. Vermitteln. Reden.
Nach außen mitgehen und konform sein – innerlich auf Distanz bleiben und verweigern.
„Schönreden“ wurde meine Strategie.
Verantwortung für alles und jeden übernehmen eine weitere.
Beides hielt mich am Leben.
Glücklich sein, zufrieden sein, fröhlich sein war für das frühe Umfeld eine Bedrohung. Das prägte mich.
Mein größtes Ziel war lange Zeit: endlich erwachsen sein, um gehen zu können.
Als ich ging, landete ich zunächst in neuen Abhängigkeiten, die ich selbst nicht erkannte.
Liebe war mir fremd.
Bindung fühlte sich gefährlich an.
Ich verliebte mich oft in das Potenzial anderer – nicht in das, was real gelebt wurde.
Heute weiß ich:
Macht, die von Bewusstsein getragen ist, dient dem Leben.
Macht ohne Bewusstsein zwingt ins Überleben.
Es gibt Momente, in denen mein Körper schneller spricht als mein Kopf.
Während eines Gesprächs – gerade dann, wenn es mir wichtig ist –
zeigen sich manchmal Stresssymptome im Körper.
Nicht dramatisch.
Aber auch nicht unbemerkt.
Ich kenne das gut.
Gesehen werden zu wollen war immer da.
Wie bei jedem Lebewesen.
Und zugleich war es lange meine größte Angst.
Mein Körper reagierte.
Ich blieb.
Ich lernte früh, meine Spuren zu verwischen.
Nicht, indem ich verschwand,
sondern indem ich redete.
Sprache wurde mein Instrument.
Reden mein Schutz.
Heute erkenne ich diese Momente schneller.
Ich muss sie nicht mehr überdecken.
Ich darf da sein –
mit Nervosität, mit Lebendigkeit.
Und ich darf mich zeigen,
ohne mich zu verlieren.
Körper, Sicherheit, Bottom Up
Es gab Zeiten, in denen Sicherheit für meinen Körper kein vertrauter Zustand war.
Wachheit war da, Spannung auch – oft, ohne dass ich es benennen konnte.
Heute nehme ich solche Zustände früher wahr.
Nicht über Gedanken, sondern über feine Signale im Körper.
Dann suche ich keine Lösung im Kopf.
Ich lasse den Körper Wege finden, wieder Boden unter sich zu spüren.
Über Atem, über Präsenz, über Zeit.
Sicherheit entsteht dabei nicht durch Druck oder Kontrolle,
sondern indem der Körper sich erinnern darf,
dass er seinen eigenen Rhythmus kennt.
Bewegung, Wandel und ein stiller Kern
Mein Leben war lange geprägt von Bewegung.
Viele Orte. Viele Umzüge. Viele Neuanfänge.
Etwas in mir war immer in Bewegung – suchend, wandelnd, tastend.
Und zugleich gab es etwas, das blieb.
Später fand ich dafür Worte.
In der indischen Philosophie spricht man von Prakriti und Purusha.
Prakriti:
das Wandelbare, Bewegte, Lebendige.
Körper, Gefühle, Gedanken, Lebensumstände.
Purusha:
das, was bleibt.
Still. Unbeeindruckbar. Wach.
Der innere Kern.
Ich habe lange nur Prakriti gelebt.
Bewegung ohne Anker. Anpassung ohne Ruhe.
Erst viel später begann ich, den stillen Pol in mir wahrzunehmen.
Nicht als Idee.
Sondern körperlich.
Im Atem.
In Momenten von Stille.
Im einfachen Da-Sein.
Yoga als Erfahrung – statt als Konzept
Mit Mitte dreißig kam Yoga in mein Leben.
Zuerst ganz unspektakulär.
Ein Kurs namens Mental Balance an einem Freitagabend.
Nach der ersten Stunde spürte ich meinen Körper an Stellen,
von denen ich nicht wusste, dass sie existieren.
Und ich konnte plötzlich tief atmen – jederzeit, nicht nur zufällig.
Yoga wurde kein neues Thema.
Es wurde ein Raum.
Ein Raum, in dem sich Bewegung und Stille begegnen durften.
Prakriti und Purusha.
Wandel und Sein.
Ich begann zu verstehen:
Klarheit entsteht, wenn der Körper gehört wird.
Nicht, wenn er kontrolliert wird.
Heute
Heute weiß ich, dass Leben beides braucht:
Bewegung und Ruhe.
Veränderung und Verankerung.
Heute beginne ich viele Tage still.
Nicht immer gleich, nicht nach Plan.
Oft schalte ich mein Handy nicht sofort ein.
Ich bleibe noch einen Moment bei mir, oder zwei.
Ich mache Übungen.
Oder eine.
Meine spirituelle Routine.
Mein Ankommen.
Nicht, weil ich muss.
Sondern weil ich kann.
Diese Zeit gehört mir.
Sie bringt Fokus, Präsenz und Orientierung.
Ohne Optimierungswahn, ohne Dogma.
Mich selbst an erste Stelle zu setzen fühlt sich dabei nicht egoistisch an,
sondern notwendig und nährend.
Aus diesem Ankommen heraus beginnt mein Tag.
Ich weiß, dass ich glücklich, erfüllt, gesund und erfolgreich sein darf.
Ohne Schuld. Ohne Scham. Ohne schlechtes Gewissen.
Ich arbeite mit Menschen aus genau diesem Verständnis heraus.
Nicht, um sie zu verändern.
Sondern um Räume zu öffnen, in denen sie sich selbst wieder wahrnehmen können.
Wer ich bin, zeigt sich nicht in einer Definition.
Es zeigt sich im Leben selbst.
Für wen meine Arbeit stimmig ist
Meine Arbeit ist stimmig für Menschen,
die bereit sind, sich selbst zu begegnen.
Für Menschen, die wachsen wollen,
ohne sich zu verbiegen.
Für jene, die Selbstführung und Verantwortung übernehmen
und zugleich lernen möchten, sich selbst zu nähren.
Für Menschen, die keine Abhängigkeit suchen
und kein Nachsprechen fremder Antworten,
sondern ihre eigene innere Autorität stärken wollen.
Meine Arbeit richtet sich an Menschen,
die den Körper wieder als Verbündeten erleben möchten –
nicht als etwas, das optimiert oder kontrolliert werden muss.
An Menschen, die bottom-up vor top-down erkennen
und spüren, dass nachhaltige Veränderung
von innen nach außen entsteht.
Sie ist stimmig für jene,
die Verbindung suchen,
ohne sich dabei selbst zu verlieren.
Für Menschen, die bei sich bleiben können
und zugleich in Beziehung gehen.
Für Kontakt auf Augenhöhe,
getragen von Präsenz, Klarheit und Echtheit.
Sie ist stimmig für jene,
die bereit sind, gewohnte Wege zu verlassen,
keine Standardlösungen suchen
und sich auf einen eigenen, gangbaren, nährenden Weg einlassen möchten.
Oft ist da zu Beginn nur eine leise Ahnung.
Ein stilles Wissen.
Ein kaum hörbares Flüstern.
Hier. Findest. Du. Dich. Selbst.
Wer schnelle Lösungen, klare Anweisungen
oder Selbstoptimierungskonzepte erwartet,
wird hier wenig finden.
Wer jedoch bereit ist,
sich einzulassen, wahrzunehmen und zu bleiben,
findet einen Raum, der trägt.
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